Anzeichen einer Legasthenie erkennen – Warum frühes Erkennen so wichtig ist
Jamnig Tiffany
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Anzeichen einer Legasthenie erkennen – Warum frühes Erkennen so wichtig ist
Viele Eltern machen sich Sorgen, wenn ihr Kind Buchstaben vertauscht, langsam lesen lernt oder Schwierigkeiten beim Schreiben hat. Schnell entstehen Gedanken wie: „Mein Kind strengt sich nicht genug an.“ oder „Ist mein Kind vielleicht nicht so begabt?“.
Die gute Nachricht vorweg: Legasthenie hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Im Gegenteil – viele Menschen mit Legasthenie verfügen über besondere Stärken und Talente. Ihr Gehirn verarbeitet Sprache lediglich auf eine andere Weise und benötigt deshalb einen anderen Lernansatz.
Was ist Legasthenie?
Legasthenie ist eine angeborene, neurobiologisch bedingte Besonderheit in der Verarbeitung von Schrift und Sprache. Betroffen sind vor allem die Bereiche Lesen und Rechtschreiben, obwohl die allgemeine Intelligenz altersgerecht oder sogar überdurchschnittlich sein kann.
Kinder mit Legasthenie lernen grundsätzlich genauso gerne wie andere Kinder – sie benötigen jedoch gezielte Fördermethoden, die an ihre individuelle Art der Informationsverarbeitung angepasst sind.
Was passiert im Gehirn?
Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei Menschen mit Legasthenie bestimmte Hirnregionen, die für die Verarbeitung von Lauten, Buchstaben und Wörtern zuständig sind, anders zusammenarbeiten. Informationen werden nicht schlechter, sondern anders verarbeitet.
Deshalb benötigen betroffene Kinder häufig mehr Zeit, um Buchstaben sicher zu erkennen, Laute richtig zuzuordnen oder Wörter flüssig zu lesen. Mit einer frühzeitigen und individuell abgestimmten Förderung können diese Bereiche jedoch gezielt trainiert und deutlich verbessert werden.
Legasthenie oder LRS – Wo liegt der Unterschied?
Die Begriffe Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) werden häufig gleichgesetzt, unterscheiden sich jedoch in ihrer Entstehung.
Legasthenie ist angeboren und beruht auf einer besonderen Informationsverarbeitung des Gehirns. Die Schwierigkeiten bestehen unabhängig von der Beschulung und zeigen sich häufig bereits vor Schuleintritt.
Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) entsteht dagegen häufig infolge äußerer Einflüsse oder belastender Lebenssituationen. Dazu können beispielsweise gehören:
Schulwechsel
längere Krankheiten
familiäre Belastungen wie Trennung oder Scheidung
häufige Schulfehlzeiten
unzureichende Lernbedingungen
Während sich eine LRS nach Wegfall der Ursache und entsprechender Unterstützung häufig wieder verbessert, benötigt eine Legasthenie eine langfristig angepasste Förderung.
Mögliche Auffälligkeiten bereits im Vorschulalter
Nicht jedes Kind zeigt alle Anzeichen. Dennoch gibt es Hinweise, die auf einen erhöhten Förderbedarf aufmerksam machen können.
Dazu gehören beispielsweise:
keine oder deutlich verkürzte Krabbelphase
auffällige Körperkoordination oder häufiges Stolpern
Schwierigkeiten beim Sprechenlernen
Probleme beim Reimen oder Erkennen von Lauten
Ungeschicklichkeit beim Umgang mit Besteck
Schwierigkeiten beim Schleifenbinden oder anderen feinmotorischen Tätigkeiten
Probleme bei der Orientierung (rechts/links)
Auch bei Kindern mit einer späteren Dyskalkulie können sich bereits früh Auffälligkeiten im Bereich der Wahrnehmung und Motorik zeigen.
Auffälligkeiten während der Schulzeit
Mit Beginn der Schule werden die Schwierigkeiten meist deutlicher sichtbar. Häufig treten unter anderem folgende Merkmale auf:
leichte Ablenkbarkeit bei der Arbeit mit Buchstaben und Zahlen
langsames oder stockendes Lesen
häufiges Vertauschen, Auslassen oder Hinzufügen von Buchstaben
sehr langsames Schreiben
unleserliches oder wechselndes Schriftbild
Schwierigkeiten beim Rechnen oder beim Verständnis mathematischer Zusammenhänge
Probleme beim Erlernen der Uhrzeit
scheinbare Seh- oder Hörprobleme, obwohl medizinisch alles unauffällig ist
Schwierigkeiten beim Erlernen von Fremdsprachen
hoher Lernaufwand bei gleichzeitig geringen Erfolgen
Diese Schwierigkeiten können für Kinder sehr belastend sein. Wiederholte Misserfolgserlebnisse führen häufig zu Frustration, Unsicherheit und einem sinkenden Selbstwertgefühl.
Mögliche Anzeichen einer Dyskalkulie
Auch eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) zeigt sich oft bereits früh und betrifft nicht nur das Rechnen selbst.
Typische Hinweise können sein:
Schwierigkeiten beim Mengenverständnis
Probleme beim Zählen oder Rückwärtszählen
Verwechseln von Zahlenfolgen
Unsicherheit beim Einmaleins
Schwierigkeiten beim Schätzen von Mengen
Probleme beim Erlernen der Uhrzeit oder beim Umgang mit Geld
langsames und fehleranfälliges Rechnen trotz regelmäßigen Übens
Oft übersehen: Die besonderen Stärken
So herausfordernd Legasthenie oder Dyskalkulie im Schulalltag sein können – viele betroffene Kinder verfügen über besondere Fähigkeiten, die im Unterricht häufig zu wenig Beachtung finden.
Häufig beobachtete Stärken sind:
schnelle Auffassungsgabe
hohe Kreativität
ausgeprägte Fantasie
einfühlsames Wesen
sehr gutes technisches Verständnis
vernetztes und ganzheitliches Denken
besondere Problemlösungskompetenz
Diese Stärken verdienen ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Lernschwierigkeiten.
Jedes Kind ist einzigartig
Ein wichtiger Punkt ist: Legasthenie und Dyskalkulie können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Nicht jedes Kind zeigt alle Anzeichen, und nicht alle Bereiche müssen gleichermaßen betroffen sein. Manche Kinder haben vor allem Schwierigkeiten beim Lesen, andere beim Rechtschreiben oder Rechnen. Ebenso unterschiedlich sind ihre individuellen Stärken.
Deshalb ist eine professionelle Diagnostik so wichtig. Sie hilft dabei, die persönlichen Lernvoraussetzungen eines Kindes zu erkennen und eine gezielte Förderung zu planen.
Fazit
Legasthenie bedeutet nicht, dass ein Kind weniger intelligent oder weniger lernfähig ist. Das Gehirn verarbeitet Informationen lediglich auf eine andere Weise. Je früher Auffälligkeiten erkannt werden, desto besser können Kinder individuell unterstützt werden. Eine gezielte Förderung stärkt nicht nur die Lese-, Schreib- oder Rechenkompetenz, sondern vor allem das Selbstvertrauen und die Freude am Lernen.
Denn jedes Kind kann erfolgreich lernen – wenn es den Lernweg erhält, der zu ihm passt.
Lernen darf sich wieder leicht anfühlen – ganz ohne Druck.
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