Häufige Fehler bei Legasthenie
Jamnig Tiffany
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Häufige Fehler bei Legasthenie – Was Eltern wissen sollten
Viele Eltern fragen sich, warum ihr Kind trotz fleißigen Übens immer wieder dieselben Fehler macht. Wörter werden vertauscht, Buchstaben ausgelassen oder Texte nur stockend gelesen. Oft entsteht der Eindruck, das Kind sei unkonzentriert oder würde sich nicht genügend anstrengen.
Das ist jedoch nicht der Fall. Kinder mit Legasthenie müssen beim Lesen und Schreiben deutlich mehr geistige Ressourcen aufwenden als andere Kinder. Die Ursache liegt nicht in mangelnder Intelligenz oder Faulheit, sondern in einer anderen Verarbeitung sprachlicher Informationen im Gehirn.
Wichtig zu wissen ist außerdem: Nicht jedes Kind mit Legasthenie zeigt alle der folgenden Merkmale. Die Ausprägung ist individuell und kann sehr unterschiedlich sein.
Häufige Auffälligkeiten beim Schreiben
Schlecht leserliches Schriftbild
Die Handschrift wirkt häufig unruhig oder schwer lesbar.
Beispiel: Buchstaben sind unterschiedlich groß, schief oder kaum voneinander zu unterscheiden.
Stockender Schreibrhythmus
Das Schreiben erfolgt langsam und mit häufigen Unterbrechungen.
Beispiel: Das Kind hält nach fast jedem Buchstaben inne und überlegt, wie es weitergeht.
Uneinheitliche Größe der Buchstaben
Große und kleine Buchstaben wechseln ständig ihre Größe.
Beispiel: HaUs, ScHuLe, baLL,
Ungenaue Formwiedergabe
Einzelne Buchstaben werden unvollständig oder falsch geschrieben.
Beispiel: a ähnelt einem o, e wird nicht geschlossen, g oder y werden unvollständig dargestellt
Unsicherheit bei Richtungsänderungen
Besonders Buchstaben mit mehreren Bögen bereiten Schwierigkeiten.
Beispiel: m, n, h, k oder f werden häufig falsch aufgebaut
Häufiges Absetzen beim Schreiben
Das Kind schreibt Buchstaben nicht flüssig. Statt eines zusammenhängenden Wortes entstehen viele einzelne Bewegungen.
Groß- und Kleinbuchstaben werden gemischt
Innerhalb eines Wortes wechseln Groß- und Kleinbuchstaben.
Beispiel: ScHuLe, FrEuNd
Schwierigkeiten beim Wechsel zur Schreibschrift
Viele Kinder bleiben deutlich länger bei der Druckschrift oder vermischen beide Schriftarten.
Beispiel: Ein Teil des Wortes wird in Druckschrift geschrieben, der Rest in Schreibschrift.
Auffälligkeiten bei der Raumeinteilung
Schwierigkeiten beim Zeilenbeginn. Das Schreiben beginnt nicht automatisch links.
Ungleiche Buchstabenabstände- Die Buchstaben stehen zu weit auseinander oder kleben zusammen.
Beispiel: H a u s, Hausistschön
Ungleiche Wortabstände
Zwischen den Wörtern fehlen Abstände oder sie sind sehr unterschiedlich.
Schreiben über oder unter der Zeile
Viele Buchstaben "tanzen" auf der Linie.
Zusammengedrängtes Schreiben
Zum Ende einer Zeile oder Seite wird die Schrift immer kleiner und enger.
Allgemeine Auffälligkeiten
Langsames Schreibtempo
Das Schreiben dauert wesentlich länger als bei gleichaltrigen Kindern.
Angespanntes Verhalten
Viele Kinder wirken beim Schreiben: angespannt, unsicher, nervös, schnell frustriert oder auch ängstlich. Das Schreiben bedeutet für sie häufig eine große Anstrengung.
Langsamer Aufbau des Schriftwortschatzes
Häufig vorkommende Wörter werden trotz vieler Wiederholungen nicht dauerhaft gespeichert.
Schwierigkeiten beim richtigen Anwenden von Buchstaben
Buchstaben werden vertauscht oder falsch eingesetzt oder häufiges verwechseln ähnlich aussehender Buchstaben.
Beispiele: b – d, p – q, h – k, E – F
Schwierigkeiten bei ähnlich klingenden Lauten
Beispiele: d – t, b – p, g – k
Verwechseln lageabhängiger Buchstaben
Manche Buchstaben unterscheiden sich fast nur durch ihre Lage.
Beispiele: M ↔ W, Z ↔ N
Spiegelverkehrtes Schreiben
Buchstaben oder Zahlen werden spiegelverkehrt geschrieben.
Beispiel: b statt d, 3 spiegelverkehrt
Verwechseln harter und weicher Konsonanten
Beispiele: Paket → Baget, Dose → Tose
Fehler bei Dehnung und Schärfung
Die Länge eines Lautes wird falsch geschrieben.
Beispiele: komen statt kommen, Feler statt Fehler, Stul statt Stuhl
Fehler bei Groß- und Kleinschreibung
Beispiel: ich Gehe in die schule.
Schwierigkeiten mit dem 3. und 4. Fall
Beispiel: Ich sehe dem Hund. statt Ich sehe den Hund.
Verwechslung von n und m
Beispiele: komen statt kommen, nimt statt nimmt
Auslassen von Buchstaben oder Silben
Beispiele: Schmetterling → Schmetling
Anfangs- oder Endauslassungen
Beispiele: Tisch → isch, Blume → Blum
Auslassen von i-Punkten oder Umlautstrichen
Beispiele: Muller statt Müller, Tur statt Tür
Nachträgliches Ergänzen fehlender Buchstaben
Kinder bemerken Fehler erst später und ergänzen Buchstaben zwischen bereits geschriebenen Buchstaben.
Hinzufügen von Buchstaben oder Silben
Beispiele: Belech statt Blech, gespiellet statt gespielt
Verdoppelung des Wortanfangs
Beispiel: aaber
Unnötige Buchstabenverdoppelungen
Beispiel: Schullle, Balll
Buchstabenreihenfolge wird vertauscht
Beispiele: lieb → leib, mit → tim, Treppe → Terppe
Wörter werden vertauscht
Beim Schreiben werden Wörter in der falschen Reihenfolge notiert.
Fehlerhafte Worttrennung
Beispiele: zu hause statt zuhause
Auffälligkeiten beim Abschreiben
Das Abschreiben stellt hohe Anforderungen an Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Merkfähigkeit.
Typische Merkmale sind:
häufiges Hin- und Herschauen zur Vorlage
Mitsprechen oder Vorsagen des Textes
häufiges Verlieren der Zeile
fehlerhafte Übernahme von Buchstaben
Auslassen ganzer Wörter
Schwierigkeiten, Gesehenes direkt schriftlich umzusetzen
Nichtbeachtung der vorgegebenen Zeilen oder Abstände
Auffälligkeiten beim Lesen
Schwierigkeiten beim Erlernen der Buchstaben
Buchstaben werden trotz häufigen Übens nicht sicher erkannt.
Probleme beim Zusammenlauten
Das Verbinden einzelner Laute gelingt nur langsam.
Beispiel: B...a...u...m anstatt Baum
Stockendes Lesen
Das Lesen erfolgt sehr langsam. Viele Wörter werden einzeln entschlüsselt.
Häufiges Verlieren der Zeile
Das Kind springt in die falsche Zeile oder liest dieselbe Zeile zweimal.
Wörter werden erfunden
Nicht erkannte Wörter werden ersetzt.
Beispiel: Auto wird zu Lastwagen.
Auslassen oder Hinzufügen von Buchstaben
Beispiele: Blume → Blumee, Fenster → Fester
Verwechseln von Buchstaben
Beispiele: b ↔ d, p ↔ q, m ↔ n
Buchstaben werden vertauscht
Beispiele: Brief → Birfe
Schwierigkeiten bei ähnlich aussehenden Wortbildern
Beispiele: Haus, Maus, Laus werden häufig verwechselt.
Verwechslung von Dehnung, Schärfung und Lauten
Das Lesen erfolgt oft ungenau.
Dadurch verändert sich die Bedeutung eines Wortes.
Eingeschränktes Textverständnis
Da sehr viel Aufmerksamkeit für das Entschlüsseln der Wörter benötigt wird, bleibt häufig wenig Kapazität für das eigentliche Textverständnis.Das Kind kann einen Text korrekt vorlesen, weiß anschließend aber nicht, worum es ging.
Häufig vorkommende Wörter werden nicht dauerhaft gespeichert
Viele Wörter müssen immer wieder neu erlesen werden.
Kleine Begriffserklärung
Selbstlaute (Vokale)
Selbstlaute sind die Buchstaben: A – E – I – O – U. Sie können alleine einen Laut bilden.
Umlaute
Die Umlaute sind: Ä – Ö – Ü. Sie entstehen aus den Vokalen und haben einen eigenen Laut.
Mitlaute (Konsonanten)
Mitlaute sind alle übrigen Buchstaben des Alphabets. Zum Beispiel: B, C, D, F, G, H, K, L, M, N, P, R, S, T ...
Sie benötigen immer einen Selbstlaut, damit eine Silbe entsteht.
Harte und weiche Konsonanten
Einige Konsonanten klingen sehr ähnlich und werden deshalb häufig verwechselt.
Harte Konsonanten: P – T – K
Weiche Konsonanten: B – D – G
Zwielaute (Diphthonge)
Zwielaute bestehen aus zwei Vokalen, die zusammen einen Laut bilden. Beispiele:
ei (Bein)
ai (Mai)
au (Haus)
eu (Freund)
äu (Bäume)
Diese Lautverbindungen bereiten Kindern mit Legasthenie häufig besondere Schwierigkeiten.
Fazit
Legasthenie zeigt sich weit über das bloße Vertauschen einzelner Buchstaben hinaus. Die Schwierigkeiten betreffen häufig die Wahrnehmung, die Verarbeitung von Lauten, das Lesen, Schreiben und die räumliche Orientierung auf dem Papier. Gleichzeitig unterscheiden sich die Ausprägungen von Kind zu Kind erheblich. Während manche Kinder vor allem beim Lesen auffallen, zeigen andere hauptsächlich Schwierigkeiten beim Schreiben oder bei der Rechtschreibung.
Eine frühzeitige Diagnostik und individuell abgestimmte Förderung helfen dabei, die Ursachen der Schwierigkeiten zu erkennen und gezielt an den betroffenen Bereichen zu arbeiten. Ebenso wichtig ist es, die vorhandenen Stärken eines Kindes wahrzunehmen und zu fördern – denn Legasthenie sagt nichts über Intelligenz, Begabung oder das Potenzial eines Menschen aus.
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